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Risikomanagement - verstehen und umsetzen

ioes | 28 März, 2017 - 07:49

„Gute Manager managen Risiken, schlechte Manager managen Probleme!“ Gerade in einer Zeit mit tiefgreifenden Veränderungen für unseren Berufsstand – vom neuen Lohn- und Sozialdumpingbetrugsbekämpfungsgesetz über erweiterte Konkurrenzsituationen bis hin zur Digitalisierung unserer Kernprozesse – kommt diesem Motto eine zentrale Bedeutung zu. Durch vorausschauendes Handeln können wir Risiken identifizieren, effizient managen und damit Probleme & Gefahren von vornherein vermeiden.

Vorsicht ist besser als Nachsicht

Steige ich auf Berge, kann ich abstürzen. Dieses Risiko verringere ich, indem ich mich gut vorbereite, eine gute Ausrüstung verwende und eine passende Route wähle. Nichts anderes gilt für uns als Unternehmer: Aufgrund der mannigfaltigen Anforderungen in unserem Berufsfeld sind wir einer großen Bandbreite möglicher Risiken ausgesetzt. Wir bewältigen unsere Anforderungen besser, wenn gut informierte und gut qualifizierte Mitarbeiter, ausgestattet mit modernen technologischen Hilfsmitteln, klar definierte Arbeitsprozesse ausführen. Die Risiken kann ich nicht ausschließen, aber ich kann sie durch eine gute Organisation minimieren.

Risikomanagement – wie gehe ich vor?

Risikomanagement besteht im Wesentlichen aus den drei Stufen Risikoidentifikation, Risikobewertung und Risikobewältigung. Ziel ist es, potenzielle Fehler und Probleme von vornherein zu vermeiden:

  1. Führen Sie einen Risikoscan durch. Durchleuchten Sie Ihre operativen und strategischen Geschäftsbereiche und identifizieren Sie möglichst alle Risiken. Das Ergebnis ist eine Übersicht (zB eine Liste).
  2. Bewerten Sie die einzelnen Teilrisiken nach dem möglichen Schadensausmaß und nach der Eintrittswahrscheinlichkeit. Ihre Risiko-Übersicht wird dadurch erweitert und gewichtet.
  3. Definieren Sie die kritische Punkteanzahl, bei der Sie entsprechende Maßnahmen zur Risikovermeidung bzw. zur Risikoüberwachung einleiten.
  4. Werden Sie aktiv! Setzen Sie die Maßnahmen zur Risikominimierung um und verankern Sie risikobasiertes Denken nachhaltig in Ihrer Kanzlei.
Risiko = Eintrittswahrscheinlichkeit + Schadensausmaß

Eintrittswahrscheinlichkeit:

1 = unbedeutend

2 = gelegentlich

3 = häufig

4 = regelmäßig

Schadensausmaß:

1 = unbedeutend

2 = gering

3 = erheblich

4 = katastrophal

Risiko Eintrittswahrscheinlichkeit Schadensausmaß Risiko Einstufung
Bilanzierer fällt unerwartet für längerer Zeit aus - wie kann die Quote erfüllt werden? 2 3 5
Falsche Einstufung von Mitarbeitern aufgrund falscher Angaben - wie vermeide ich Haftungsansprüche? 3 3 6
Serverausfall - wie kann ich die Leistungserstellung sichern? 1 4 5
...      

Beispiel für eine Risikobewertung: Qualitätsmanagement-Modelle für Steuerberater beinhalten bereits branchenspezifische Szenarien für ein Risikomanagement. Diese können mit wenig Aufwand für Ihre Kanzlei adaptiert werden.

Die Komplexität unserer Arbeitswelt nimmt ständig zu. Dadurch steigt die Bedeutung des Risikomanagements. Das zeigt sich auch darin, dass die bedeutendste Qualitätsnorm ISO 9001 in der aktuellsten Version 2015 dem Risikomanagement einen zentralen Stellenwert einräumt. Die Qualitätsnorm weist darauf hin, dass ein Vernachlässigen des Risikomanagements nicht nur das eigene Unternehmen gefährden, sondern auch den Kunden Schaden zufügen kann.

Als Steuerberater sind wir über die Qualität unserer Dienstleistungen sehr eng mit unseren Klienten verbunden. Ein effektives Risikomanagement in der eigenen Kanzlei bewirkt gleichzeitig ein geringeres Risiko für unsere Klienten.

Dr. Christa Farmer
Präsidentin Institut Österreichischer Steuerberater